Hessen erkennt "Ahmadiyya" als Körperschaft öffentlichen Rechts an

Seit langem versuchen die großen muslimischen Religionsverbände, wie etwa der VIKZ oder der Islamrat, als Körperschaft anerkannt zu werden. Muslimische Verbände beklagen seit langem, dass zwar die Russisch-Orthodoxe Kirche, die Heilsarmee und die Zeugen Jehovas zur Körperschaft geadelt wurden, nicht aber viel größere Islamische Religionsgemeinschten.

Die Zeugen Jehovas kämpften mehr als zwanzig Jahre, um als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) anerkannt zu werden. Der hessische Verband der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) stellte 2011 den Antrag und bereits im April 2013 fiel die Entscheidung.

Nun steigt überraschend die wenig bekannte und vergleichsweise kleine Ahmadiyya-Gemeinschaft auf Augenhöhe mit den Kirchen auf, eine nur kleine Gruppe: nach eigenen Angaben hat sie bundesweit 35.000 Mitglieder.Bundesweit unterhalte die AMJ bereits 36 Moscheen mit Minarett und Kuppel sagte Abdullah Uwe Wagishauser, der Vorsitzende der Gemeinde. Im Juni sollen drei weitere in Flörsheim und Fulda sowie im rheinland-pfälzischen Neuwied eröffnet werden.

Ahmadiyya-Anhänger berufen sich dabei auf Mirza Ghulam Ahmad, der die Gemeinschaft Ende des 19. Jahrhunderts in Indien gründete. Er wird als Prophet verehrt. Ein Prophet, der von den großen islamischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten freilich nicht akzeptiert wird, viele erkennen die Ahmadiyya-Anhänger nicht als richtige Muslime an. Die AMJ versteht sich als islamische Reformbewegung, jede Zeit bringe ihre Herausforderungen mit sich, deshalb müsse die Religion von Zeit zu Zeit erneuert werden, so die Logik. Geistliches Oberhaupt, Mirza Ahmad nennt sich Kalif, und residiert in London. Der bundesweite Hauptsitz der AMJ ist in Nieder-Eschbach.

Als Körperschaft darf AMJ nun wie die Kirchen seine eigenen Angelegenheiten selbst regeln, etwa im Arbeitsrecht. Der Status bringt Vergünstigungen und Privilegien mit sich, zum Beispiel müssen Körperschaften weniger Steuern zahlen und dürfen sogar selbst Steuern erheben wie die großen Kirchen. Zuvor hatte Hessen bereits entschieden, dass AMJ beim Islamischen Religionsunterricht in dem Land mitwirken darf, so wie die christlichen Kirchen.

Quelle: Presse

Stellungnahme des KRM zur „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ und deren Körperschaftsstatus in Hessen
Bei der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ handelt es sich um eine eigenständige Religionsgemeinschaft mit muslimischen Elementen. Unter Muslimen wird diese Glaubensrichtung auch als „Qadianismus“ bezeichnet, insbesondere in Indien und Pakistan, da ihr Stifter aus der Stadt Qadiani (Indien) stammt.

Es gibt eine Reihe fundamentaler Unterschiede zum Islam. Exemplarisch sei hier erwähnt, dass die „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ den Propheten Muhammad nicht als letzten und damit Siegel aller Propheten anerkennt, wie das die absolute Mehrheit der Muslime weltweit zu tun pflegt.

Die Diskussionen über die Erlangung der Körperschaftsrechte sind unter den islamischen Religionsgemeinschaften noch nicht abgeschlossen. Zwei der dem KRM angehörigen Dachverbände – der VIKZ und der Islamrat – haben als Religionsgemeinschaften die Anerkennung auf Körperschaft im letzten Jahrhundert bereits beantragt, ohne dass diese bis zum heutigen Zeitpunkt beschieden wurden.

Der Koordinationsrat der Muslime wurde im März 2007 von den vier großen Dachverbänden DITIB, VIKZ, Islamrat und ZMD gegründet.
Köln, 13.06.2013

 

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