Grußbotschaft der IGBW zum Id-ul Fitr

Liebe Geschwister,

Am Dienstag, den 30. August 2011 feiern die Muslime das Ramadanfest. Wir gratulieren allen Muslimen ein gesegnetes friedliches und frohes Ramadanfest im Kreise Ihrer Familien und Verwandten und mit Ihren Glaubensgeschwistern. Möge Allah (c. c.) Ihr fasten annehmen, Ihre Gebete erhören, Ihre Spenden reichlich belohnen.

Wir haben den Ramadan dazu genutzt innezuhalten, zu fasten, zu beten, an die Armen und Bedürftigen zu gedenken. Wir haben den Ramadan auch dazu genutzt unseren Glaubensgeschwistern, Nachbarn, Mitbürgern, christlichen und jüdischen Geschwistern zu begegnen bei vielen Iftareinladungen in den Moscheegemeinden, außerhalb, oder in den Iftarzelten. Solche Begegnungen verschiedenen Religionen fördern die Verständigung und den Frieden in der Gesellschaft.

Es hat uns gefreut dass dieses Jahr unser Ministerpräsident in Baden-Württemberg persönlich zum Iftaressen (Fastenbrechen) eingeladen hat. Das deuten wir als Wertschätzung gegenüber den Muslimen. Wir hoffen zugleich, dass unter seiner Regierung die Probleme der Muslime etwas zügiger gelöst werden können. Dazu zählen u. a. Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften; Islamunterricht in den staatlichen Schulen; Kopftuchverbot für Lehrerinnen und für Frauen im öffentlichen Dienst und de facto in der privaten Wirtschaft; Schwierigkeiten bei Bau von Moscheen; Bestattungsmöglichkeiten; (Halal)Schlachtung nach islamischem Ritus; muslimische Seelsorge.

Seit Terroranschlägen am 11. September vor 10 Jahren hat sich die Stimmung in der Gesellschaft gegenüber den Muslimen erheblich verschlechtert. Die physischen und verbalen Angriffe auf die Muslime nehmen zu, Brandstiftungen gegen die Moscheen sind keine Seltenheit. Stimmungsmache gegenüber Islam und Muslime ist leider „in“. Die schrecklichen Morde in Norwegen haben uns erschüttert. Auch die Begründung für diese schreckliche Tat sollte uns aufrütteln. Es ist Aufgabe unser aller, den rechtsradikalen Tendenzen, islamfeindlichen Entwicklungen in Europa und in Deutschland Einhalt zu gebieten. Wie unser Bundespräsident es betont hat Islam und Muslime gehören zu Deutschland. Wir wollen als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden und unseren Beitrag dazu leisten unser Land gemeinsam voranzubringen.

Im Ramadan haben wir auch den Hungernden nachempfinden können. Die Hungernden in Somalia und in anderen Ländern haben die Gläubigen nicht vergessen. Sie haben für sie Hilfsgüter organisiert, Spenden gesammelt, jeder nach seinen Möglichkeiten geholfen. Wir fragen uns aber auch warum überhaupt Millionen von Menschen Hungerstod erleiden müssen. Läuft da politisch und wirtschaftlich nicht etwas schief?

Dass in den arabischen Ländern bisher einiges politisch schief gelaufen ist, haben die letzten Umwälzungen dort gezeigt. Die Bevölkerung will Freiheit und Demokratie. Wir hoffen dass auch das syrische Volk dieses Ziel ohne mehr Blutvergießens erreichen kann. Unterdrückung und Repressalien haben keine Zukunft mehr.

Dieser Tage kam aus der Türkei eine erfreuliche Nachricht: Bei einem Empfang zum Fastenbrechen, zu dem alle nicht muslimischen Gemeinschaften eingeladen hatten, kündigte der Ministerpräsident Erdogan die Rückgabe aller von der Türkei beschlagnahmten Besitztümer der religiösen Minderheiten, an. Wir begrüßen das als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von religiösen Minderheiten in der Türkei.

Wir danken für die vielen Zuschriften die uns erreicht haben. Vor allem die Briefe von Bischöfen im Land ermutigen uns dazu, den bestehenden interreligiösen Dialog noch mehr zu intensivieren und gemeinsame Initiativen zu entwickeln für das Wohle unserer Gesellschaft.

In diesem Sinne ein gesegnetes Ramadanfest

Id Mubarak

Bayraminiz kutlu olsun

Muhittin Soylu

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